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Future Office: Projektentwickler

Nachhaltigkeit ist eine der Kernaufgaben, die zukunftsfähige Büroimmobilien erfüllen müssen. Wenn Entwickler darauf nicht reagieren, werden sie keine Mieter mehr finden.

„Je kreativer eine Arbeit, desto relevanter das Büro“

Interview mit Martin Rodeck, Vorsitzender der Geschäftsführung, EDGE Deutschland

Welche Faktoren spielen für Sie die größte Rolle bei Future Offices?

Wir haben vier Säulen identifiziert: Sustainability, Design, Wellbeing und Technology. Diese vier Säulen sind für uns gleichwertig und gleichrangig. Um zukunftsfähige Büros zu entwickeln, brauchen wir gutes Design und passende Technologien als Fundament. Damit erzeugen wir Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität und Sicherheit.

Welche Rolle spielt denn Nachhaltigkeit überhaupt?

Nachhaltigkeit ist von der Kür zur Pflicht geworden. Unternehmen werden künftig keine Gebäude mehr anmieten können, die nicht nachhaltig sind. Projektentwickler bekommen keine Finanzierungen mehr, wenn die nachhaltige Gebäudequalität nicht stimmt. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Mitarbeiter mittelfristig nur noch für Unternehmen entscheiden werden, die in einer nachhaltigen Immobilie arbeiten. Man geht ja auch nicht in ein schlechtes Hotel, wenn man die Wahl hat. Bei Büros ist es das gleiche.

Wie kriegen wir Menschen nach der Pandemie zurück ins Büro?

Die entscheidende Frage ist, wofür wir in Zukunft Büros brauchen. Individuelle, nicht automatisierbare Arbeiten werden dort kaum noch verrichtet. Wir gehen zukünftig wohl auch nicht mehr ins Büro, um konzentriert über mehrere Stunden zu arbeiten. Das können wir alles viel besser Zuhause machen. Künftig gehen wir ins Büro, um Kollegen zu treffen. Je strategischer und kreativer eine Arbeit, desto relevanter wird das Büro. Und darauf müssen wir die Flächen ausrichten.

Wie definiert sich künftig Wettbewerbsfähigkeit?

Früher hat man hier pauschal Drittverwendungsfähigkeit genannt. Und natürlich muss – allein schon aus Investmentgründen – eine Bürofläche so geplant sein, dass sie nachvermietbar ist. Gegenwärtig gewinnen aber vor allem die verwendeten Baustoffe an Bedeutung. Zwar werden Büroimmobilien nach wie vor auf Basis des Cashflows bewertet – der Substanzwert rückt aber zunehmend ins Bewusstsein. Diesen können wir heute viel besser beziffern, weil wir mit digitalen Planungsmethoden wesentlich genauer dokumentieren, welche Bauteile und -materialien wo in welchen Mengen verbaut sind. Das wird ein wichtiger Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit sein. Immobilien werden zum Materialdepot – für Investoren ein echter Mehrwert.

Welches Thema sollten wir darüber hinaus im Blick behalten?

Das drängendste Thema, dem wir uns stellen müssen, ist die soziale Spaltung unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen können sich immer weniger leisten. Das führt zu immer größeren Konflikten. Wir beobachten eine klare Antihaltung in der Gesellschaft gegenüber der Privatwirtschaft, die wir vor allem in Berlin sehr deutlich zu spüren bekommen. Wir werden in der Projektentwicklung neue Vorschriften und Gewinnabschöpfungen sehen. Zum Teil ist das schon heute der Fall, etwa in Gestalt der Sozialgerechten Bodennutzung in München oder der Hochhausrichtlinie in Berlin. Aber das Fahrwasser wird noch unruhiger. Wir müssen uns um Bezahlbarkeit und Partizipation kümmern – und zwar dringend.

EDGE Suedkreuz Berlin, das in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet wird
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