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Tag der Gesundheits- und Sozialimmobilie 2026 |
Bauen. Pflegen. Leben.

Publikum beim Tag der Büroimmobilie 2025.

Der Tag der Gesundheits- und Sozialimmobilie begann mit einer klaren Botschaft: Die soziale Infrastruktur unseres Landes braucht innovative Konzepte, verlässliche Rahmenbedingungen und mutige Investitionen. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Iris Schöberl, Präsidentin des ZIA, sowie Carsten Brinkmann (Terranus), Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Gesundheits- und Sozialimmobilien und die beiden stellvertretenden Ausschussvorsitzenden Caroline Gronack (Apleona Invest) und Ralf Licht (Carestone). Schöberl brachte es auf den Punkt:

Es geht um mehr als Immobilien. Es geht um eine funktionierende Daseinsvorsorge, um Lebensqualität und es geht um Würde im Alter.”

Denn wir befinden uns in einer äußerst kritischen Situation: Bis 2040 besteht allein in der Pflegeinfrastruktur ein Investitionsbedarf von bis zu 125 Milliarden Euro. Gleichzeitig steigen die Eigenanteile für Pflegebedürftige, während die bestehenden Finanzierungssysteme zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Insolvenzen und Schließungen von Einrichtungen verschärfen die Situation zusätzlich. Auch im Bereich der Bildungsimmobilien ist der Handlungsdruck enorm: Hier beläuft sich der Investitionsstau auf rund 68 Milliarden Euro.

In der ersten politischen Keynote sprach Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, über die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen. Seine Ausführungen machten deutlich, dass die Weiterentwicklung und Modernisierung der Versorgungsinfrastruktur unabdingbar sind. „Denn bauliche Struktur, technische Ausstattung und die Einbindung in regionale Versorgungsnetze sind ganz wesentlich für die Lebensqualität“, so Luft. Ziel müsse es sein, Verlässlichkeit herzustellen, wirtschaftliche Umsetzung zu ermöglichen und bessere, einheitliche Rahmenbedingungen für diesen Wandel zu schaffen.
Den wissenschaftlichen Impuls setzte anschließend Prof. Dr. Thomas Druyen, Soziologe, Zukunftsforscher und Autor. Seine Analyse zur gesellschaftlichen Entwicklung und deren Auswirkungen auf Gesundheits- und Sozialimmobilien zeigte eindrucksvoll, wie sehr gesellschaftlicher Wandel und Veränderungsfähigkeit individuelle Lebensverläufe prägen – und welche Anforderungen daraus für alle Generationen entstehen. Das Bild war eindeutig: Die Anforderungen werden weiter wachsen. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen, wenn Politik, Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft enger zusammenarbeiten und schneller zu tragfähigen Lösungen kommen.

 

Pflege zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Das erste Panel des Tages widmete sich der zentralen Frage, was Pflegereform und Zukunftspaket wirklich leisten können. Unter der Moderation von Caroline Gronack (Apleona Invest) diskutierten Dr. Martin Schölkopf (Abteilungsleiter Abteilung 4 Pflegeversicherung, Fachkräftesicherung, Recht der Heilberufe, Bundesministerium für Gesundheit), Christian Möhrke (Cureus GmbH) und Snezana Michaelis (SAGA Hamburg). Einigkeit bestand darin, dass Pflegereform und Zukunftspaket erste wichtige Schritte darstellen. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie sie im Alltag wirken. Ziel müsse es sein, nicht nur die Pflegeinfrastruktur zu verbessern, sondern auch Konzepte für „lebenslanges Wohnen“ zu schaffen, die Betreuung und ambulante Dienste integrieren. Neben der stationären Versorgung sind barrierearme Immobilien unerlässlich, die ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglichen. Dafür braucht es vor allem bessere politische Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und tragfähige Finanzierungsmodelle.

 

Investitionshemmnisse im Seniorenwohnen

Julian Frank (Patrizia SE) gab einen praxisnahen Impuls aus dem Markt und zeigte auf, dass zwischen Kapital, Regulierung und Bedarf viele Projekte im Seniorenwohnen unter Druck stehen. Frank skizzierte den Transaktionsmarkt im Pflegebereich und verdeutlichte die Hürden, die Projekte derzeit bremsen.

„Die Pflegeimmobilie bleibt grundsätzlich attraktiv, aber der Immobilienmarkt steckt fest. Neues Core-Kapital einzuwerben, fällt immer schwerer und führt aktuell zu einer Art Investitionsstillstand im Neubaubereich“.

Im anschließenden Panel wurden unter Leitung von Dr. Maritheres Palichleb (GSK Stockmann) die Spannungsfelder zwischen Kapital, Regulierung und Bedarf diskutiert. Mit dabei waren Dr. Gesa Miehe-Nordmeyer (Leiterin der Abteilung 3 Sozial-, Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Umwelt- und Gesellschaftspolitik im Bundeskanzleramt), Ralf Licht (Carestone), Martin Hölscher (Aachener Grundvermögen) und Peter Tölzel (Jones Lang LaSalle). Sie schilderten eindrücklich, wie schwer kalkulierbare Kosten, langwierige Genehmigungsverfahren, unterschiedliche Landesbauordnungen und fehlende verlässliche Rahmenbedingungen Investitionen hemmen. Zugleich wurde klar: Immer mehr Menschen bevorzugen betreute Wohnformen mit zeitgemäßen Quartiers- und Versorgungskonzepten gegenüber klassischen stationären Einrichtungen.

 

Bildungsimmobilien: Zwischen Sanierungsstau und Neubauoffensive

Die zweite politische Keynote hielt Ties Rabe, ehemaliger Senator für Schule und Berufsbildung in Hamburg, zum aktuellen Stand im Bereich der Bildungsimmobilien. Zwischen Sanierungsstau und Neubaubedarf stehen Bildungsorte vor großen Herausforderungen. Der Bedarf im Neubau liegt in Deutschland bei rund 1.200 Schulen. Hinzu kommen steigende Zahlen an Schülern (von 2025 bis 2030 ein Plus von rund 15 Prozent), erheblich gestiegene Energiekosten, die Notwendigkeit von Ganztagsbetreuung in den Grundschulen sowie neue Lernformen, getrieben durch Digitalisierung und Differenzierung des Unterrichts.

Benjamin Schrödl (PwC Deutschland) ergänzte mit einem fachlichen Impuls zu Rendite- und Refinanzierungschancen bei Bildungsimmobilien und zeigte, dass der Schwerpunkt in Deutschland klar auf der Sanierung liegt. Im anschließenden Panel unter der Moderation von Björn Fries (Drees und Sommer) diskutierten wiederum Ties RabeCarsten Hense (GOLDBECK) und Jonas Kleingrothe (Deutsche Kreditbank) über Lösungen, Prioritätensetzung und notwendige Veränderungen auf der Finanzierungs- sowie kommunaler Regulierungsseite. Einigkeit bestand darin: Bildungsimmobilien sind eine zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft.

 

Soziale Infrastruktur: Hohe Anforderungen an Kommunen

Das vierte Panel widmete sich dem Ausbau der sozialen Infrastruktur aus kommunaler Perspektive. Unter Moderation von Carsten Brinkmann (Terranus GmbH) sprachen Markus Lewe (Oberbürgermeister a.D., Ehrenmitglied Deutscher Städtetag), Alexander Dettmann (Agaplesion) und Jens Nagel (Hemsö GmbH) über erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Entwicklern und Betreibern. Deutlich wurde, dass es mehr Vertrauen, mehr Transparenz und verlässlich funktionierende Verfahren braucht. „Aber auch mehr Hoheit der Kommunen, mit den eigenen Mitteln entsprechend umzugehen“, ergänzte Lewe. Zudem wurde betont, wie wichtig flexible Finanzierungssysteme und vielfältige Angebotsformen sind. „Wir müssen im Bau und im Betrieb deregulieren, denn die Betreiber tragen ein hohes Risiko“, so Jens Nagel abschließend.

Zum Abschluss des Tages fassten Carsten Brinkmann (Terranus), Caroline Gronack (Apleona Invest) und Ralf Licht (Carestone) die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Sie unterstrichen erneut, wie entscheidend verlässliche Partnerschaften und langfristige Strategien sind, um die wachsenden Versorgungslücken zu schließen. Carsten Brinkmann schlug dabei einen kulturpolitischen Bogen und erinnerte an David Bowies „This Is Not America“, der zwei seiner berühmten Alben in der Location des Tages, im historischen Meistersaal Berlin, aufgenommen hat. Der Tag der Gesundheits- und Sozialimmobilie 2026 habe deutlich gemacht, dass es nicht um abstrakte Modelle oder theoretische Debatten gehe, sondern um reale Orte des Lebens, Lernens und Alterns.

PRÄSENTATIONEN ZUM DOWNLOAD

 

Fotos: ZIA/Vincent Grätsch

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