Umnutzung von Gewerbeimmobilien

Im Fokus

Fotografie eines Arbeitsplatzes mit architektonischen Bauplänen, auf denen eine Hand mit Bleistift Grundrisse und technische Details markiert. Ein Laptop, Winkelmesser und weitere Planunterlagen verweisen auf Planung oder Prüfung eines Bauprojekts.

Neue Perspektiven für leerstehende Wirtschaftsimmobilien

Leerstehende Büros, ehemalige Handelsflächen und ungenutzte Verwaltungsgebäude können neue Funktionen aufnehmen und damit zur Belebung der Quartiere beitragen.

Voraussetzung ist, dass Standort, Gebäude, Baurecht und Finanzierung zusammenpassen. Der ZIA fordert deshalb flexiblere planungs- und bauordnungsrechtliche Rahmenbedingungen, schnellere und verlässlichere Genehmigungen sowie bestandsgerechte Anforderungen, die wirtschaftlich tragfähige Umnutzungen ermöglichen. Wo die Voraussetzungen stimmen, können geeignete Gewerbeimmobilien für vielfältige neue Nutzungen erschlossen werden – von Wohnen über gewerbliche Angebote bis hin zu sozialen und kulturellen Einrichtungen. So lassen sich bestehende Bausubstanz erhalten und Quartiere beleben – als Ergänzung zur Weiterentwicklung des Gebäudebestands und zum weiterhin dringend benötigten Wohnungsneubau.“

Umbau statt Abriss? Zu viele Büros – zu wenig Wohnraum

ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan in der ARD

Welches Potenzial im Umbau leerstehender Büroflächen steckt und wo die Herausforderungen liegen? Darüber spricht ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan in der ARD-Story „Umbau statt Abriss? Zu viele Büros – zu wenig Wohnraum“.

Das neue Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ kann dabei ein wichtiger Schritt sein. Doch klar ist auch: Fördermittel allein werden die Wohnungsbaukrise nicht lösen. Der Umbau von Nichtwohngebäuden ist oft komplex und kostenintensiv. Planungsrechtliche Vorgaben, Lärmschutzanforderungen und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen viele Projekte aus.

Es braucht weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, flexiblere rechtliche Rahmenbedingungen und eine zügige Umsetzung der neuen KfW-Förderkulisse für Neubau und Bestand. 

Zur ARD-Story

Gebäude erhalten. Wohnraum gewinnen. Quartiere stärken.

Veränderte Arbeitsweisen und Konsumentscheidungen eröffnen neue Nutzungsperspektiven. Doch Leerstand bei Büro- oder Handelsimmobilien allein rechtfertigt keine Umwandlung: Wohnungsnachfrage, Wirtschaftsflächenbedarf und Entwicklungsmöglichkeiten ansässiger Unternehmen müssen zusammen betrachtet werden.

Bestandserhalt kann Material und Herstellungsemissionen sparen - Stichwort: graue Energie. Wie groß der Klimavorteil ausfällt, hängt auch vom Umbauaufwand und dem späteren Energieverbrauch ab. 

ZIA-Position: Politische Rahmenbedingungen für Neubau, Sanierung und Umnutzung von Büroimmobilien

  • Politische Rahmenbedingungen für Neubau, Sanierung und Umnutzung von Büroimmobilien Download [258 KB]

Wie wird aus einer Wirtschaftsimmobilie ein Wohnhaus?

Eine frühe Machbarkeitsprüfung klärt bauliche Eignung, Genehmigungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit. Auch Teilumnutzungen und gemischte Konzepte kommen infrage, wenn sich nur einzelne Gebäudebereiche zum Wohnen eignen. 

Nahverkehr, Nahversorgung, soziale Infrastruktur und Grünflächen machen einen Wohnstandort alltagstauglich. Lärm und Lieferverkehr benachbarter Betriebe können Konflikte auslösen. Attraktive Wohnverhältnisse müssen mit deren zulässiger Tätigkeit vereinbar sein; andernfalls braucht es eine andere Nutzungsperspektive. 
 

Tragwerk, Gebäudetiefe, Fassadenraster und Geschosshöhen bestimmen den Gestaltungsspielraum. Eine Bestandsaufnahme erfasst Haustechnik, mögliche Schadstoffe und den Anpassungsbedarf bei Energieeffizienz, Schallschutz und Barrierefreiheit. Sommerlicher Hitzeschutz und Betriebskosten gehören ebenfalls in die Planung.

Tiefe Gebäude erschweren ausreichend belichtete Wohnungen. Innenbereiche können Nebenräume oder Erschließung aufnehmen; andernfalls werden etwa Lichthöfe oder Teilrückbauten nötig. Entscheidend ist, wie viel gut nutzbare Wohnfläche nach diesen Eingriffen verbleibt. Nicht jedes Gebäuderaster eignet sich für die vor Ort gefragten Wohnungsgrößen.

 

Zusätzliche Küchen und Bäder erfordern neue Wasser-, Abwasser- und Lüftungsanschlüsse. Gemeinsam geplante Grundrisse und Leitungsführungen können den Aufwand begrenzen. Schall- und Brandschutz sowie die Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten sind dabei mitzudenken. 
 

Ob das vorhandene Brandschutzkonzept trägt, hängt unter anderem von Gebäudeklasse, Nutzungseinheiten und Rettungswegen ab. Eine frühzeitige Prüfung zeigt, welche Strukturen erhalten bleiben können und wo zusätzliche Trennungen, angepasste Türen oder Änderungen an der Erschließung erforderlich sind. 
 

Neben den technischen Herausforderungen spielen planungs- und bauordnungsrechtliche Vorgaben eine entscheidende Rolle.  

Die Umnutzung von Wirtschaftsimmobilien zu Wohnen muss mit den Regelungen des Baugesetzbuchs (BauGB), der Baunutzungsverordnung (BauNVO), den Landesbauordnungen sowie kommunalen Vorgaben vereinbar sein. In vielen Fällen erfordern solche Projekte umfangreiche Genehmigungsverfahren.  

Hinzu kommt, dass Redevelopment- und Konversionsprojekte  besonders komplex sind. Kommunen stehen oftmals vor der Herausforderung, in der Genehmigungspraxis bislang unbekannte Wege zu gehen und von ihrem Ermessensspielraum stärker Gebrauch zu machen. Um die Aktivierung von Bestandsgebäuden zu erleichtern, braucht es daher mehr Flexibilität im Bauplanungsrecht auf Bundesebene und eine Ausweitung des Bestandsschutzes im Bauordnungsrecht der Länder. Kommunen sollten dabei stärker unterstützt werden, Umnutzungen pragmatisch und rechtssicher zu ermöglichen.  
 

Planungsrecht, Landesbauordnung und gegebenenfalls Denkmalschutz bestimmen die Genehmigungsfähigkeit. Der Bau-Turbo nach § 246e BauGB ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen und mit Zustimmung der Gemeinde Abweichungen vom Bauplanungsrecht. Weitere Anforderungen sowie öffentliche und nachbarliche Belange bleiben zu berücksichtigen. 

Für den ZIA zählen verlässliche Verfahren, klare Zuständigkeiten und frühzeitig abgestimmte Anforderungen. Gerade bei Lärmkonflikten und baulichen Anpassungen braucht es praxistaugliche Lösungen, die Schutzziele sichern und dem Bestand gerecht werden.

Erwerbs- oder Bestandswert, Umbau, energetische Sanierung und Finanzierung müssen zu den erzielbaren Erträgen passen. Flächenverluste, unerwartete Befunde und Verzögerungen können die Rechnung verändern. Ob bezahlbarer Wohnraum entsteht, hängt wesentlich von diesen Kosten und den regulatorischen Anforderungen ab. Für Bewohner:innen zählen zudem die laufenden Betriebs- und Energiekosten.

Das im Juli 2026 gestartete KfW-Programm „Gewerbe zu Wohnen“ bietet bis zu 30.000 Euro je neu geschaffener Wohnung, bei mehreren Einheiten insgesamt bis zu 300.000 Euro pro Unternehmen. Energetische Voraussetzungen und bereits erhaltene De-minimis-Beihilfen sind zu beachten. Die erforderliche energetische Sanierung ist gesondert zu finanzieren, gegebenenfalls mit ergänzender Förderung. Entscheidend bleibt die Gesamtkalkulation. 

Umnutzung möglich machen

Dafür setzt sich der ZIA ein.

  • Flexibleres Planungsrecht: Nutzungsänderungen und gemischte Konzepte erleichtern, vorhandene Spielräume ausschöpfen.
  • Schnellere Genehmigungen: Anforderungen früh klären, Fachstellen koordinieren und Verfahren verlässlich gestalten.
  • Wirtschaftliche Umsetzung: Unnötige Bürokratie abbauen und praxistaugliche, bestandsgerechte Anforderungen schaffen.
  • Förderung kann unterstützen, ersetzt aber keine besseren Rahmenbedingungen. Neubau, Modernisierung und Umnutzung müssen sich sinnvoll ergänzen. 

Kaufhäuser im Wandel: Perspektiven für die Innenstadt

empirica-Studie zeigt Chancen und Grenzen der Nachnutzung

Wohnen bleibt bei der Nachnutzung ehemaliger Kaufhäuser die Ausnahme. Das zeigt die empirica-Studie im Auftrag des ZIA. Der Einzelhandel prägt weiterhin viele Objekte, häufig ergänzt durch Büros, Gastronomie oder Dienstleistungen. Große Gebäudetiefen, hohe Umbaukosten und planungsrechtliche Einschränkungen erschweren die Wohnnutzung. Auch langwierige Entwicklungs- und Abstimmungsprozesse können Projekte ausbremsen.

Die Studie empfiehlt, Nutzungsmöglichkeiten frühzeitig zwischen Kommunen und Eigentümer abzustimmen und Genehmigungsprozesse verbindlicher zu gestalten. Für belebte Erdgeschosse kommen neben Handel auch Kultur, Gastronomie und Bildung infrage. Wohnen kann geeignete Konzepte ergänzen; sein Beitrag zur Wohnraumversorgung bleibt begrenzt.

Positionen, Stellungnahmen & Studien zur Umnutzung von Gewerbeimmobilien

  • ZIA-Gutachten zur Nachnutzung von Kaufhäusern für Wohnen (empirica) Download [1 MB]
  • Politische Rahmenbedingungen für Neubau, Sanierung und Umnutzung von Büroimmobilien Download [258 KB]