Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft

Der Rat der Immobilienweisen. v.l.n.r. Sven Carstensen (bulwiengesa), Dr. Ralph Henger (Institut der deutschen Wirtschaft), Jan Grabow (Curacon), Iris Schöberl (ZIA), Sabine Poschmann (BMWSB), Joachim Stumpf (BBE Handelsberatung), Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld (Walter Eucken Institut).© ZIA/Harry Schnitger

Ein umfassender Blick auf die Branche

Jährlicher Gradmesser und Ausblick

Seit 2003 sorgt der im Herbst 2002 gegründete „Rat der Immobilienweisen“ durch seine Frühjahrsprognosen für mehr Transparenz auf den Immobilienmärkten. Mit den damals erstmals erfassten Daten zu Bruttoproduktionswert, Beschäftigten und Immobilienbestand sollte auch die Immobilienwirtschaft als einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung besser verankert werden.

Ergebnisse im Überblick

Frühjahrsgutachten 2026

  • Gesamtwirtschaftliche Entwicklung: Strukturelle Schwäche mit regulatorischen und investiven Defiziten
  • Büroimmobilien: Ohne spürbare Belebung, Fokus verschiebt sich zur Bestandsbewirtschaftung
  • Logistikimmobilien: Bodenbildung bei Kaufpreisen abgeschlossen, neue Nachfrage im Verteidigungssektor
  • Corporate Real Estate: Hohe Resilienz trotz schwieriger Gesamtwirtschaft
  • Hotelimmobilien: Rückkehr zu Stabilität, aber Konsolidierungsdruck im Betreibermarkt
  • Einzelhandelsimmobilien: Nahversorgung wächst stärker, intelligente Mischung mit anderen Nutzungen nötig
  • Gesundheits- und Sozialimmobilien: Bautätigkeit aufgrund von Investitionshemmnissen hinter dem Bedarf
  • Bildungsimmobilien: Massiver Investitionsstau, vor allem bei Schulen
  • Wohnimmobilien: Krise im Neubau ohne politische Antwort auf zentrale Strukturprobleme
  • Innenstadtentwicklung: Aufenthaltsqualität, Erlebniswert und attraktive öffentliche Räume werden wichtiger

Das aktuelle Frühjahrsgutachten zum Download

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Mitglieder des Rats der Immobilienweisen

Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld, Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Direktor des Walter-Eucken-Instituts

Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Direktor des Walter-Eucken-Instituts

Sven Carstensen, Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft bulwiengesa GmbH, Geschäftsführer

Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft

bulwiengesa GmbH, Geschäftsführer

Joachim Stumpf, Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft, BBE Holding GmbH, Geschäftsführer und IPH Handelsimmobilien GmbH, Geschäftsführer

Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft

BBE Holding GmbH, Geschäftsführer

IPH Handelsimmobilien GmbH, Geschäftsführer

Jan Grabow, Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft, CURACON GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Geschäftsführender Partner

Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft

CURACON GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Geschäftsführender Partner

Dr. Ralph Henger, Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft, Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Univ.- Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher, Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft, RWTH Aachen, Direktorin des Instituts für Städtebau und Europäische Urbanistik

Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft

RWTH Aachen

Direktorin des Instituts für Städtebau und Europäische Urbanistik

Die Ergebnisse im Einzelnen

Frühjahrsgutachten 2026

Das Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen zur Immobilienwirtschaft 2026 zeichnet ein ernüchterndes Bild: Nach zwei Jahren rückläufiger Entwicklung verzeichnete Deutschland 2025 nur ein marginales BIP-Wachstum von 0,2 Prozent. Die Bauwirtschaft ist einer der am stärksten belasteten Sektoren – die Bruttowertschöpfung liegt 25 Prozent unter dem Niveau von 2022.

Portraitfoto Iris Schöberl

„Die Wirtschafts-Nachrichten dieser Tage zeigen keine kleine Delle oder vorübergehende Verstimmung. Sie sind das Zeichen einer strukturellen Schwäche. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Deutschland steckt in einer strukturellen Krise. Die Immobilienwirtschaft leidet darunter. 
Es muss jetzt heißen: Think Big.“

Iris Schöberl
ZIA-Präsidentin

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

„Deutschland profitiert kaum vom globalen Wachstum – strukturelle Defizite wirken stärker als konjunkturelle Impulse“, mahnt Prof. Dr. Dr. h. c. Lars P. Feld. Die deutsche Wirtschaft kam 2025 kaum vom Fleck: Nach zwei Rezessionsjahren wuchs das reale BIP lediglich um 0,2 Prozent, während die Weltwirtschaft um 2,9 Prozent zulegte. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,3 Prozent (2,97 Mio. Arbeitslose), die Inflation lag mit 2,2 Prozent nahe dem EZB-Ziel. Die EZB senkte den Leitzins zwar von 3,15 Prozent auf 2,15 Prozent, doch hohe langfristige Zinsen und steigende Risikoprämien bremsten Investitionen. Besonders die Bauwirtschaft verzeichnete einen Produktionseinbruch von rund 25 Prozent gegenüber 2022. „Mit nur 0,2 Prozent Wachstum bleibt Deutschland 2025 deutlich hinter der globalen Entwicklung zurück – strukturelle Schwächen überlagern jede Erholung. Ohne tiefgreifende Strukturreformen drohen auch 2026 lediglich moderate Erholungstendenzen“, pflichtet Feld Präsidentin Iris Schöberl bei.

Büroimmobilien

Der Büroflächenumsatz sank 2025 um 8 Prozent auf 4,1 Mio. m², während der Leerstand auf 12,5 Mio. m² bzw. 6,3 Prozent anstieg. Spitzenmieten in den A-Städten erhöhten sich dennoch auf durchschnittlich 43,90 Euro/m², mit Höchstwerten von knapp 60 Euro/m² in München. Die Fertigstellungen gingen um 24 Prozent auf 1,95 Mio. m² zurück, gleichzeitig steigt der Sanierungsanteil auf rund 25 Prozent der Pipeline. „Sinkender Flächenumsatz bei steigenden Mieten zeigt: Gefragt sind Qualität, Lage und Flexibilität – der Markt trennt klar zwischen zukunftsfähigen und obsoleten Objekten“, so Carstensen, Geschäftsführer von bulwiengesa und Verfasser des Kapitels zu Büroimmobilien.

Logistikimmobilien

Die Logistikmärkte stabilisierten sich schneller als andere Segmente. Spitzenrenditen lagen 2025 bei rund 4,5 Prozent in A-Städten und bis zu 6,5 Prozent in D-Städten, während die Spitzenmieten in A-Städten 9,31 Euro/m² erreichten. Der Neubau stieg auf 5,1 Mio. m², für 2026 werden weitere 4,6–4,7 Mio. m² erwartet. Rund 27 Prozent des Bestands sind jünger als zehn Jahre.

„Mit über 5 Mio. m² Neubau bleibt Logistik ein Wachstumspfeiler des Immobilienmarktes. Logistik bleibt systemrelevant – mit neuen Nutzern und langfristiger strategischer Bedeutung“, betont Carstensen.

Corporate Real Estate

Gewerbeparks und Produktionsimmobilien zeigten sich 2025 robust. Der Neubau lag bei 2,1 Mio. m², für 2026 werden 2,2 Mio. m² erwartet. Das Investmentvolumen belief sich auf 1,5–1,6 Mrd. Euro. Spitzenrenditen stabilisierten sich bei 6,3 Prozent (Gewerbeparks) bzw. 7,2 Prozent (Produktionsimmobilien). „Corporate Real Estate behauptet sich mit Renditen von über 6 Prozent als stabiler Anker im Strukturwandel und wird zunehmend zum strategischen Werttreiber“, sagt Carstensen.

Hotelimmobilien

Die Übernachtungszahlen erreichten 2025 mit rund 498 Mio. wieder das Vorkrisenniveau von 2019. Der Investmentmarkt legte deutlich zu: Das Transaktionsvolumen stieg um 35 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro, mehr als die Hälfte entfiel auf A-Städte. Select-Service- und Budgetkonzepte stehen im Fokus, während der Neubau begrenzt bleibt. Carstensen: „Mit fast 500 Mio. Übernachtungen ist der Hotelmarkt zurück – für Investoren wieder attraktiv und nachhaltiger, selektiver und professioneller als zuvor.“

Einzelhandelsimmobilien

Der Einzelhandel erzielte 2025 einen Umsatz von rund 680 Mrd. Euro (+2,5 Prozent nominal). Bis 2029 werden 747 Mrd. Euro erwartet. Gleichzeitig könnten bis 2035 rund 10 Mio. m² Nonfood-Fläche entfallen. Das Transaktionsvolumen lag stabil bei etwa 6,1 Mrd. Euro, während Spitzenmieten in 1a-Lagen weiter sanken (A-Städte: 112,40 Euro/m²). „Umsatzwachstum und Flächenabbau laufen parallel – der Anpassungsdruck bleibt hoch. Handelsimmobilien brauchen einen klaren Mehrwert, reine Verkaufsflächen reichen nicht mehr aus“, betont Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Holding GmbH und Autor des Kapitels zu Einzelhandelsimmobilien.

Gesundheits- und Sozialimmobilien

Im Segment Seniorenwohnen fehlen aktuell 400.000 bis 500.000 Wohneinheiten, bis 2035 könnten es 3,7 Mio. werden. Das Transaktionsvolumen sank 2025 leicht auf 1,22 Mrd. Euro (– 7 Prozent). Renditen blieben stabil bei 5,1 Prozent für Pflegeheime und 4,5 Prozent für Betreutes Wohnen.

„Der Bedarf wächst schneller als das Angebot – die Lücke beträgt bereits Hunderttausende Einheiten. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen droht eine strukturelle Versorgungslücke“, warnt Jan Grabow, Geschäftsführender Partner der CURACON GmbH, der das Kapitel zu Gesundheits- und Sozialimmobilien verfasst hat.

Bildungsimmobilien

Bildungsimmobilien leiden unter einem massiven Investitionsstau, insbesondere bei Schulen und Kitas. Der Investitionsstau beträgt bei Schulen rund 68 Mrd. Euro, bei Kitas weitere 11 Mrd. Euro, während 2025 nur 13,3 bzw. 3,7 Mrd. Euro kommunal geplant waren. Renditen reichen von 3,8 bis 7,3 Prozent, bei Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. „Zwischen dem Bedarf von 80 Mrd. Euro und den Investitionen klafft eine massive Finanzierungslücke“, betont Carstensen.

Zukunft der Innenstadtentwicklung

Innenstädte befinden sich im tiefgreifenden Transformationsprozess. Einkaufen allein reicht nicht mehr als Besuchsanlass. Trotz Events sinken die Besucherzahlen vieler Innenstädte strukturell.  Gefragt sind Nutzungsmischung, Aufenthaltsqualität und attraktive öffentliche Räume. Der Einzelhandel verliert Flächen, während Wohnen, Kultur und Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen. Erfolgreiche Konzepte setzen auf Nutzungsmischung, Aufenthaltsqualität und neue Organisationsformen wie Business Improvement Districts. „Die Innenstadt der Zukunft lebt nicht von Frequenzspitzen, sondern von dauerhafter Nutzungsmischung. Sie ist Erlebnis-, Arbeits- und Lebensraum zugleich“, macht Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher von der RWTH Aachen University, deutlich.

Wohnimmobilien

Der Wohnimmobilienmarkt bleibt angespannt. Ein drastischer Rückgang der Bautätigkeit trifft auf anhaltend hohen Bedarf, insbesondere in Wachstumsregionen. Mieten und Kaufpreise steigen wieder, während Investitionen durch hohe Kosten und regulatorische Unsicherheiten gebremst werden. 2025 wurden nur rund 235.000 Wohnungen fertiggestellt, 2026 dürften es 215.000 sein – bei einem jährlichen Bedarf von 257.400 Einheiten. Die Angebotsmieten stiegen bundesweit um 4,1 Prozent, Kaufpreise für Eigentumswohnungen um 3,8 Prozent. Gleichzeitig liegt das Preisniveau noch rund 16 Prozent unter dem Höchststand von 2021. Dr. Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft, verantwortlich für das Kapitel zu Wohnimmobilien, macht deutlich: „Zu wenig Neubau trifft auf steigende Mieten – die Schere öffnet sich weiter. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch Regulierung, sondern durch Investitionen.“

Medienecho

Von Schlagzeilen bis Hintergrundanalysen: Das Frühjahrsgutachten prägt die wirtschaftspolitische Debatte. Hier die wichtigsten Medienbeiträge und Reaktionen auf einen Blick.

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