Das Zukunftsforschungsinstitut PROFORE Gesellschaft für Zukunft mbH hat im Auftrag des ZIA und in intensiver Zusammenarbeit mit dem Innovation Think Tank des ZIA eine Szenario-Analyse für die Rahmenbedingungen der deutschen Immobilienwirtschaft in den Jahren 2035 und 2050 vorgenommen.
Die im November 2024 veröffentlichte Zukunftsstudie beschreibt sieben mittel- und langfristige Zukunftsszenarien für die Bau- und Immobilienbranche und bietet einen detaillierten Blick auf die tiefgreifenden Veränderungen, die die Rahmenbedingungen der Branche in den nächsten Jahrzehnten beeinflussen werden.
Die Szenarien im Überblick
1. Szenario. Status Quo Plus
Evolutionäre Anpassung mit inkrementeller Nachhaltigkeits- und Technologie-Adaption und teilweiser Industrialisierung der Baubranche.
2. Innovativer Green Deal
Sprunghafte technologiegetriebene ökologische Transformation, unterstützt durch eine fortschrittliche Politik und mehr Ökologiebewusstsein.
3. Suffizienz
Sprunghafte Entwicklung in Richtung suffizienter, regenerativer Wirtschaft und Gesellschaft mit Fokus auf Bestandssanierungen und alternative Nutzungskonzepte.
4. Techno-Rationalisierung
Hochgradig industrialisierte Baubranche und volldigitalisierte Immobilienwirtschaft, die sich durch Effizienz, innovative Gebäudetechnologien und Nutzungsflexibilität auszeichnet.
5. Bau-Boom
Aufschwung aufgrund progressiver Bundespolitik und hoher Kapitalverfügbarkeit mit innovativen, industriellen Strukturen in der Baubranche, volldigitalisierten Gebäuden und hoher Fachkräftezuwanderung.
6. Reaktionäres Chaos
Tiefgreifende Krise der Immobilienbranche mit fehlender Umsetzung der ESG-Regulatorik und traditionellen, fragmentierten Strukturen in der Baubranche, sowie niedrige Fachkräftezuwanderung.
7. Stagnation und Degrowth
Marktlähmung durch hohe Zinsen, fragmentierte Strukturen in der Baubranche, moderate Fachkräftezuwanderung sowie durch Low-Tech verhinderte Nutzungsflexibilisierung.
„Die entworfenen Szenarien vermitteln der Branche eine Vorstellung davon, was die Zukunft für sie bereithalten könnte. Die Studie gibt ihr damit ein Instrument an die Hand, um den kommenden Herausforderungen frühzeitig mit Innovationen zu begegnen und in die strategische Zukunftsplanung einzusteigen.”
Dr. Susanne Hügel stellv. Vorsitzende, ITT
Immobilienwirtschaft in die Zukunft führen
Die Studie beinhaltet keine Blaupausen, sondern skizziert plausible Zukunftsentwicklungen auf Basis wissenschaftlich hergeleiteter Schlüsselfaktoren. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sollen angeregt werden, individuelle Schlüsse für das eigene Geschäftsmodell zu ziehen, Innovation zu fördern, Partnerschaften einzugehen und gemeinsam die Immobilienwirtschaft in die Zukunft führen.
Die plausiblen Szenarien zeichnen sich durch eine starke Digitalisierung und KI-Integration, eine drastisch gestiegene Bedeutung von ESG-Kriterien und Kreislaufwirtschaft, flexible Wohn- und Arbeitsmodelle, sowie investitionsfreundliche Rahmenbedingungen aus.
Daneben stellt die Studie auch dystopische Szenarien als Warnsignale vor. Szenarien wie „Reaktionäres Chaos“ und „Stagnation und Degrowth“ zeigen auf, welche Risiken für die Immobilienwirtschaft entstehen können, falls die nötigen Schritte zur digitalen und nachhaltigen Transformation nicht ergriffen werden.