Einheitliche Nachhaltigkeitsdaten für die Immobilien- und Finanzwirtschaft
Gemeinsamer Standard für nachhaltigkeitsbezogene Immobiliendaten
Die von ZIA und vdp entwickelte ZIA-KPI-Liste schafft eine einheitliche Grundlage für den Datenaustausch zwischen Immobilienwirtschaft und Finanzinstituten. Gemeinsam mit digitalen Lösungen wie Coalition-X wird die Erfassung, Verwaltung und Bereitstellung relevanter Nachhaltigkeitsdaten effizienter, transparenter und zukunftssicher.
Die ZIA-KPI-Liste auf einen Blick
Ein gemeinsamer Branchenstandard
Die ZIA-KPI-Liste schafft eine Grundlage für den standardisierten Datenaustausch zwischen Banken- und Immobilienwirtschaft und hilft, gesetzliche Berichtspflichten zu erfüllen. Sie wurde auf Basis aktueller regulatorischer Anforderungen erstellt und enthält neun immobilienbezogene Schlüsselkennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) mit 29 Datenpunkten, die dazu dienen, den Aufwand vor allem auf Seiten des Kreditnehmers für die Datenerhebung zu reduzieren und die Abfrage umweltbezogener Informationen zu harmonisieren. (Stand: 14.5.2025)
Betrachtet werden ausschließlich die Objektebene und Umweltaspekte von Immobilien. Unternehmensbezogene ESG-Daten, Governance-Themen sowie soziale Kennzahlen sind nicht Bestandteil der Liste.
“In den letzten Jahren ist die Komplexität der regulatorischen Anforderungen erheblich gestiegen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir sehr, sehr unterschiedliche Anforderungsprofile und Fragebögen sehen. Das macht die Kreditvergabeprozesse ungemein kompliziert und zeitaufwändig. Mit einem einheitlichen Verständnis der Datenanforderungen bei Banken und Gebäudeeigentümern können wir den Datenaustausch erleichtern, Digitalisierungsprojekte vorantreiben, den bürokratischen Aufwand auf beiden Seiten reduzieren und den Blick wieder auf das Kerngeschäft richten.”
Jochen Schenk ZIA-Vizepräsident
Warum die Immobilienbranche einen gemeinsamen Datenstandard braucht
Uneinheitliche ESG-Anforderungen erschweren Finanzierung und Datenaustausch
Die Komplexität der regulatorischen ESG-Anforderungen an Immobilien ist hoch und hat in der Vergangenheit weiter zugenommen. Die erfreulichen Omnibus-Initiativen auf EU-Ebene zur Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung dürften zwar dazu beitragen, einige unternehmensbezogene Berichtspflichten zu reduzieren. Die verschärften Anforderungen der Aufsichtsbehörden an die Banken erschweren jedoch weiterhin die Immobilienfinanzierung. Unterschiedliche Anforderungsprofile und uneinheitliche Fragebögen sind daher leider Realität im Kreditvergabeprozess. Die zeit- und kostenintensive Datenbeschaffung und -aufbereitung bindet Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen.
Die ZIA-KPI-Liste bietet nun eine Grundlage für einheitliche Banken-Fragebögen und einen standardisierten Datenaustausch. Sie basiert auf einer intensiven Identifizierung von immobilienbezogenen Datenpunkten in gesetzlichen Anforderungen wie der EU-Taxonomie-Verordnung, SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation), CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), CRR (Capital Requirements Regulation) sowie weitergehender Bankenregulatorik (EBA/EZB-Klimastresstest, Säule-3-Rahmenwerk für klimabedingte Finanzrisiken des Baseler Ausschusses, EBA-Leitlinien zum ESG-Risikomanagement).
Über 450 vom ZIA ermittelte Datenpunkte wurden mit Unterstützung von über 35 Akteuren aus den unterschiedlichen Immobiliensparten (Asset Manager, Bestandshalter, Facility Manager, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Projektentwickler) sowie vonseiten der finanzierenden Banken auf ihre Praktikabilität geprüft. Dabei wurden Datenpunkte ausgeschlossen, die außerhalb des Einflussbereichs des Gebäudeeigentümers liegen (z.B. mieterbezogene Wasserverbräuche oder Abfallmengen), da sie die Objektqualität nicht beeinflussen. Zudem wurden solche Datenpunkte ausgeschlossen, für die im Sinne des Subsidiaritätsprinzips bereits auf regionaler bzw. kommunaler Ebene Regelungen bestehen (z.B. Baulandstrategien) und ein überregionales ESG-Reporting nicht sinnvoll erscheint. Damit erstreckt sich nicht auf soziale Datenpunkte. Ebenso wurden keine Governance-Anforderungen berücksichtigt, da diese vorrangig unternehmensbezogen sind und beispielsweise durch nationale Kodizes adressiert werden.
“Mit dieser KPI-Liste schließen wir eine Lücke zwischen Immobilien- und Finanzwelt. Wir laden Kreditinstitute und Branchenakteure ein, ihre Fragebögen an dieser KPI-Liste auszurichten. Die Verwendung einer einheitlichen KPI-Liste für umweltbezogene Informationen ist ein wichtiger Schritt zur Harmonisierung der Datenabfragen bei Immobilienfinanzierungen.”
Sascha Kullig Mitglied der Geschäftsleitung, vdp
Was die KPI-Liste umfasst
Fokus auf relevante Umwelt- und Gebäudedaten auf Objektebene
Die ZIA-KPI-Liste betrachtet die Objektebene (d.h. die Immobilie und explizit nicht die Unternehmensebene) und den Umweltbereich. Sie umfasst neun Objekt-, Energie- und Treibhausgas-relevante KPIs mit 22 Basis-Datenpunkten und sieben erweiterten, freiwilligen Datenpunkten, für die sich nach und nach eine bessere Verfügbarkeit einstellen dürfte. Die Datenpunkte sind nach Neubau/Bestand/Renovierung/Abriss sowie nach Nicht-/Wohngebäuden kategorisiert, sodass gezielt nach entsprechenden Aktivitäten in der Wertschöpfungskette gefiltert werden kann, die für das jeweilige Geschäftsmodell bzw. die jeweilige Finanzierung relevant sind. Die Liste ist somit nie vollständig für alle Aktivitäten gleichzeitig relevant.
Bei Bedarf können zusätzliche Datenpunkte Teil der individuellen Fragebögen sein, etwa wenn sie für eine spezielle Geschäftsausrichtung nötig sind. Um auch ein einheitliches Verständnis für gegebenenfalls zusätzlich relevante Datenpunkte herzustellen, wurden der ZIA-KPI-Liste zwölf weitere Datenpunkte informativ beigefügt, die aktuell nicht standardmäßig berichtet werden müssen, die aber perspektivisch relevant werden könnten.
Darüber hinaus werden 51 Datenpunkte informativ gelistet, die neben den Basis-Datenpunkten für die Taxonomie-Verordnung relevant sind. Zudem werden noch zehn weitere Datenpunkte genannt, die explizit nicht als Teil eines Reportings gesehen werden, da sie weder regulatorisch erforderlich sind noch im Einflussbereich des Gebäudeeigentümers liegen – oder auch generell selbst erhoben werden können, etwa mithilfe von Standortanalysetools.
Die ZIA-KPI-Liste in der Praxis nutzen
Datenaustausch neu gedacht
Mit einem einheitlichen Verständnis der Datenanforderungen bei Banken und Gebäudeeigentümern können wir den Datenaustausch erleichtern, Digitalisierungsprojekte vorantreiben, den bürokratischen Aufwand auf beiden Seiten reduzieren und den Blick wieder auf das Kerngeschäft richten. Dazu können die Daten im eigenen System an den Definitionen, Einheiten und Hinweisen der ZIA-KPI-Liste orientiert werden. Alternativ bietet sich die Verwendung von am Markt aktiven Dienstleistern oder Tools an, die den Datenkatalog digital bereitstellen.
Die ZIA-KPI-Liste wurde bspw. bereits integriert in: