Erklärung gegen Extremismus
Für Vielfalt und Zusammenhalt
Unvereinbarkeitserklärung gegenüber extremistischen Kräften
Wir, die Unternehmen, Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter der Immobilienwirtschaft, erklären:
Der ZIA und seine Mitglieder stehen für unternehmerische Werte und unkündbare demokratische Überzeugungen. Vielfalt, Weltoffenheit und Toleranz prägen den Umgang der Immobilienwirtschaft mit Geschäftspartnern und den Arbeitsalltag der Beschäftigten gleichermaßen. Für den ZIA, der über seine Mitglieder mit etwa 37.000 Unternehmen die Vielfalt der Immobilienwirtschaft spiegelt, ist gelebter Pluralismus ein Markenzeichen. Aufgeschlossenheit gegenüber Menschen jeglicher Herkunft, Religion, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung betrachten wir als unverrückbare Grundlage des Zusammenlebens. Die wollen und werden wir verteidigen.
Die Immobilienwirtschaft ist eine tragende Säule des Standorts Deutschland. Aus dieser volkswirtschaftlichen Bedeutung erwächst eine ökonomische wie gesellschaftliche Verantwortung. Aktuell veranlassen uns zunehmende extremistische Tendenzen festzuhalten, was offenkundig nicht mehr selbstverständlich ist:
Alle Versuche, den breiten demokratischen Rahmen dieses Landes und des Grundgesetzes mit menschenverachtenden Positionen auszuhöhlen oder auszuhebeln, sind ein absolutes No-Go. Extremismus jeglicher Art lehnen wir ab. Wir sind überzeugt:
Die demokratische Breite des Parteienangebots ist ein Vielfalts-Gewinn für dieses Land. Immer deutlicher aber stehen die in Teilen rechtsextremen Positionen der AfD sowie die Grenzüberschreitungen ihres Führungspersonals im Widerspruch zur pluralen offenen Gesellschaft. Wachsende rechtsextreme Tendenzen in immer größeren Teilen der Partei werden durch den Verfassungsschutz derzeit zurecht mit Nachdruck überprüft. So sind bereits drei Landesverbände vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft und weitere sechs Landesverbände werden derzeit als extremistische Verdachtsfälle von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet.
Eine Politik im Zeichen von Ausgrenzung ist eine fundamentale Gefahr für Arbeitsplätze, Finanzkraft und Wohlstand in Deutschland und Europa insgesamt – das bedroht auch unsere Branche:
- Etwa 24 Millionen Menschen hierzulande, fast 30 Prozent der Bevölkerung, haben einen Migrationshintergrund. Rund ein Fünftel der Erwerbstätigen sind nicht in Deutschland geboren. 20 Prozent der Beschäftigten mit MINT-Qualifikationen haben eine Migrationsgeschichte. Sie alle gehören zum Fundament des ökonomischen Lebens. Diese Zugehörigkeit durch ethnische Kategorisierung in Frage zu stellen, untergräbt das gesellschaftliche wie wirtschaftliche Fundament unseres Landes und gefährdet so den Wohlstand aller.
- Als Vermieter(innen), Mieter(innen), Kund(inn)en oder Investor(inn)en sind Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unverzichtbare wirtschaftliche Schlüsselakteure der Immobilienbranche. Die ist mit etwa zehn Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und 19 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung eine Säule der Volkswirtschaft.
- Menschen jeder Herkunft sind – als Chefinnen und Chefs, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – seit vielen Jahren in größter Selbstverständlichkeit Teil des immobilienwirtschaftlichen Arbeitsalltags. Diese Selbstverständlichkeit der Vielfalt steht.
- Deutschland hat einen jährlichen Bedarf an 400.000 Zuwanderern, um die Folgen des demografischen Wandels auszugleichen und Wohlstand zu erhalten. Zuwanderung aus EU Staaten sowie aus anderen Ländern ist unverzichtbar, um ein wachsendes Defizit an Fach- und anderen Arbeitskräften zu verringern. Ohne diese Öffnung wird Wirtschaftskraft ausgebremst statt stimuliert. Eine Erhöhung der jährlichen Nettozuwanderung um 100.000 Menschen kann ein Plus von 0,35 bis 0,4 Prozentpunkten auf den Jahreszuwachs des BIP bringen.
- Zwei Drittel der Unternehmen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft haben laut Europäischem Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) Probleme, qualifiziertes Personal zu finden. Bei technischen Fachkräften sehen sogar 90 Prozent der Branchenvertreter Schwierigkeiten. Angesichts der 120.000 fehlenden Fachkräfte in der Bau- und Immobilienbranche ist Fremdenfeindlichkeit fatal. Young Talents gehen nur in Regionen, die offen sind. In AfD-Hochburgen ist es besonders schwierig, ausländische Fachkräfte zu rekrutieren. Erfahrungen der EU-Erweiterungen belegen, dass neue Beschäftigte oft in Berufsgruppen gehen, in denen es Fachkräfte-Engpässe gibt.
- Eine Politik rigider Ab- und Ausgrenzung ist ein Standortrisiko. Jeder Hang zum Protektionismus schadet dem Image und eben auch der Ökonomie dieses Landes, das wie wenige andere auf Export und offene Märkte setzt. Für die Immobilienwirtschaft sind Signale der Abschreckung pures Gift: Das Risiko, dass Investoren und Anteilseigner, die ausländisches Geld investieren wollen, sich abwenden oder gar nicht erst einsteigen, wächst.
- Dabei gilt: Auch wirtschaftsliberale Positionen können überhaupt nur zum Tragen kommen, wenn die Essentials von Offenheit und Toleranz als unverrückbar gelten.
- Jede Debatte über einen Abschied vom Euro oder einen Austritt aus der EU schadet dem Standort insgesamt. Extreme Kräfte stellen durch „alternative Fakten“, Hass, Hetze, Rassismus, Antisemitismus und Spaltung die Grundfesten unserer Wirtschafts- und Sozialordnung in Frage.
Wir stellen somit eine Unvereinbarkeit extremistischer Ziele mit den Werten des ZIA und der Immobilienwirtschaft fest. Dies gilt in der Konsequenz für alle Kräfte und Parteien, die sich außerhalb des Verfassungsrahmens bewegen.
Der ZIA setzt sich aktiv für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt ein. Wir rufen auf, diese Haltung zu teilen und uns zu unterstützen.
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