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Future Office: Architektur

Neue Arbeitswelten verändern die Kultur von Unternehmen maßgeblich. Daher müssen alle Beteiligten bis hin zu den Nutzerinnen und Nutzern in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.
„Im Ringen um die beste Lösung braucht es Perspektivwechsel“

Interview mit Dr. Sandra Breuer, Geschäftsführerin combine Consulting GmbH

Welche Kriterien müssen zukunftsgerichtete Arbeitswelten erfüllen?

Wir müssen Arbeitswelten größer denken als Tisch und Stuhl. Sie bestehen aus Homeoffice, Büro und ebenso aus all den Wegen und Orten dazwischen. Es geht um das Gesamterlebnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Office muss dabei zum Erlebnisort werden – und einen Mehrwert bieten, der motiviert, es aufzusuchen. Natürlich ist Funktionalität ein Muss.

Welche Rolle spielen die technischen und technologischen Möglichkeiten bei der Gestaltung des Future Office?

Für die Nutzerinnen und Nutzer ist das A und O, dass es funktioniert. Keep it simple! In Zukunft wird es darum gehen, hybride Settings abzubilden, also etwa Menschen in einem Raum mit jenen am Bildschirm zu verbinden und nahtlos gemeinsam mit analogen und digitalen Tools arbeiten zu lassen. Das können wir heute noch nicht – und es wird sich auch nicht einfach mit der Zeit ergeben. Dafür bedarf es der Orchestrierung von Tools und entsprechender Spielregeln. Wir müssen menschliches Verhalten von Beginn an mitdenken und uns bewusst machen, dass jede räumliche und technologische Veränderung unser Verhalten verändert und damit auch die Kultur in Unternehmen.

Architektur und Wirtschaftlichkeit bewegen sich oftmals in einem Spannungsfeld. Wie lässt sich das auflösen?

Ein Spannungsfeld ist zunächst einmal etwas Gutes. Es braucht Perspektivwechsel im Ringen um die beste Lösung. Gute Architektur ist auch mit knappen Mitteln möglich. Das eigentliche Problem ist, dass Wirtschaftlichkeit häufig nur im Licht der Flächeneffizienz betrachtet wird. So verkommt Fläche zum Kostenfaktor, der verringert werden muss. Wenn wir Wirtschaftlichkeit langfristig und damit nachhaltig denken, wirkt das auch auf Architektur, indem nämlich nutzungsflexible und emotional aufgeladene Gebäude entstehen.

Wo wird künftig der Schwerpunkt bei der Entwicklung von Büroimmobilien liegen – auf Nachhaltigkeit oder auf Nutzerbedürfnissen?

Nachhaltigkeit wird gegenwärtig vielfach noch zu eindimensional gedacht. Im Kontext Arbeitswelten wird allenfalls auf Label abgestellt, die aber meist als zu teuer gelten oder als Feigenblatt dienen. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit immer mehr zu einem Nutzerbedürfnis. Allerdings kommen die Nutzerinnen und Nutzer in den Entscheidungs- und Planungsprozessen meist viel zu spät oder gar nicht ins Spiel. Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wird das zum Problem, denn Menschen werden sich nicht mehr nur wegen Inhalten und Rollen für einen Job entscheiden, sondern auch aufgrund der Arbeitswelten, -zeiten und weiteren Angeboten. Es wird eine Abstimmung mit Füßen geben.

Welche Rolle spielt Corona heute und in Zukunft für den Bau und die Gestaltung des Future Office?

Wir können festhalten, dass New Work nicht nur eine verrückte Idee und auch keine Zukunftsvision mehr ist, sondern die Realität. Das birgt riesiges Potenzial für unsere Gesellschaft. Dabei dürften wir gedanklich auch nicht bei Bürogebäuden aufhören, sondern sollten bei Quartiersentwicklungen zum Beispiel das externe Homeoffice oder den Community Workspace gleich mitdenken. Wir müssen weg von monofunktionalen Bürogebäuden und die Stadt neu konfigurieren.

Die kreative Stadt

Mit seiner Publikation „The Rise of the Creative Class” (2002, 2019) hat der amerikanische Sozialwissenschaftler Richard Florida den Begriff der „kreativen Stadt“ geprägt. Bürogebäuden kommen darin als integrale Bestandteile der Nachbarschaft neue Funktionen zu.